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Wirkung & Konsum

Indica vs. Sativa: Was die Wissenschaft sagt und Konsumenten glauben zu wissen

Hast du schon einmal gehört, dass Sativa anregend und Indica beruhigend wirkt? So einfach ist es leider nicht. Ein genauerer Blick auf die Forschung zeigt, was wirklich hinter diesen Bezeichnungen steckt und welche Faktoren dein High beeinflussen. Die Geschichte und Vielfalt des Cannabis Cannabis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Schon vor rund 12.000 Jahren bauten Zivilisationen auf der ganzen Welt die Pflanze an – sei es als Nahrungsmittel, für Fasern, als Medizin oder wegen ihrer bewusstseinsverändernden Eigenschaften. Heute ist die Cannabisindustrie ein globales Geschäft mit einem geschätzten Wert von 65 Milliarden Dollar. In Ländern, in denen Cannabis legal ist, stehen den Konsumenten über 700 verschiedene Sorten zur Verfügung. Diese tragen oft farbenfrohe Namen wie „Cat Piss“, „Purple Monkey Balls“ oder „Unicorn Poop“. Trotz dieser enormen Vielfalt werden die meisten Cannabisprodukte in zwei Kategorien eingeteilt: Indica und Sativa. Es wird behauptet, dass diese Kategorien unterschiedliche psychoaktive Wirkungen haben. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse stellen diese Einteilung infrage. Tatsächlich gibt es kaum signifikante chemische oder genetische Unterschiede zwischen Indica und Sativa, die die erhofften spezifischen Wirkungen garantieren. Die Unzulänglichkeit der heutigen Klassifikation Eine Studie der University of Colorado Boulder, die über 90.000 kommerzielle Cannabisproben analysierte, zeigte, dass die Etiketten der Produkte ihre chemische Zusammensetzung nur unzureichend widerspiegeln. Es stellte sich heraus, dass Sativa-Sorten nicht unbedingt mehr THC enthalten – den Hauptwirkstoff, der das High erzeugt – als Indica-Sorten. Diese Erkenntnisse stehen im Einklang mit einer früheren Studie, die fast 300 Cannabissorten untersuchte. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es einen konsistenten Unterschied zwischen Sativa- und Indica-Proben gibt“, erklärt Sean Myles, außerordentlicher Professor für Landwirtschaft an der Dalhousie University in Nova Scotia. Ein Grund für diese Unsicherheit liegt in den umfangreichen Kreuzungen der Pflanzen, die im Laufe der Zeit stattgefunden haben. Die genetischen und chemischen Unterschiede zwischen den ursprünglichen Indica- und Sativa-Pflanzen könnten sich verwischt haben, sodass eine klare Unterscheidung heute kaum noch möglich ist. Ein neues Klassifikationssystem? Wissenschaftler schlagen vor, Cannabis nach seinen chemischen Eigenschaften zu klassifizieren. Jede Pflanze enthält etwa 540 chemische Substanzen, darunter über 144 verschiedene Cannabinoide wie THC und CBD, die spezifische medizinische und psychoaktive Wirkungen haben. Ein solches System könnte den wichtigsten Inhaltsstoffen einer Sorte zusammen mit ihren jeweiligen Mengen auf dem Etikett Platz einräumen – ähnlich den „Nährwertangaben“ auf Lebensmittelverpackungen. Zu diesen Inhaltsstoffen würden Cannabinoide und Terpene gehören, letztere sind biologisch aktive Moleküle, die einen großen Einfluss auf Geschmack, Aroma und möglicherweise die Wirkung einer Sorte haben. Wird sich etwas ändern? Obwohl ein auf chemischen Profilen basierendes Kennzeichnungssystem sinnvoll erscheint, bleibt die Realität, dass die meisten Konsumenten nicht nach detaillierten wissenschaftlichen Informationen suchen. Die Entscheidung wird oft vom Preis bestimmt – das billigste Produkt verkauft sich in der Regel am besten. Zudem ist die Einteilung in Indica und Sativa einfach und leicht verständlich. Sie bietet eine narrensichere Möglichkeit, Produkte zu vermarkten, die auch ein Laie versteht. „Letztendlich kann man so viele Terpene auf den Aufkleber packen, wie man will“, meint Jikomes, einer der Forscher. „Aber meine Vorhersage ist, dass das Indica/Sativa-System bleiben wird.“ Dieser Artikel zeigt, wie tief verwurzelt die Einteilung in Indica und Sativa in der Konsumkultur ist – trotz der Zweifel, die die Wissenschaft daran hegt. Die Zukunft könnte jedoch eine differenziertere und wissenschaftlich fundiertere Kennzeichnung bringen, die den Verbrauchern eine genauere Orientierung bietet.

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THC, CBD & Co: So beeinflussen Cannabinoide und Terpene unseren Körper

Das Endocannabinoid-System Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein komplexes zelluläres Signalnetzwerk im menschlichen Körper, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung verschiedener physiologischer Prozesse spielt. Es wurde in den 1990er Jahren entdeckt und besteht aus drei Hauptkomponenten: Endocannabinoide, Cannabinoid-Rezeptoren und Enzymen! Endocannabinoide Körpereigene, lipidbasierte Moleküle, die ähnlich wie Cannabinoide aus der Cannabispflanze wirken.Die beiden wichtigsten Endocannabinoide sind: Anandamid (AEA) – auch als „Glücksmolekül“ bekannt. 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) – spielt eine Schlüsselrolle in der Regulierung von Entzündungen. Cannabinoid-Rezeptoren Diese Rezeptoren befinden sich auf Zelloberflächen und sind im gesamten Körper verteilt. Es gibt zwei Haupttypen: CB1-Rezeptoren: Vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) vorhanden. Sie sind verantwortlich für die psychoaktiven Wirkungen von THC und beeinflussen Schmerz, Appetit, Gedächtnis und Stimmung. CB2-Rezeptoren: Hauptsächlich im Immunsystem und im peripheren Nervensystem zu finden. Sie sind an der Regulation von Entzündungen und Immunreaktionen beteiligt. Enzyme Enzyme sind dafür verantwortlich, die Endocannabinoide nach ihrer Verwendung abzubauen.Die beiden Hauptenzyme sind: FAAH (Fatty Acid Amide Hydrolase): baut Anandamid ab. MAGL (Monoacylglycerol Lipase): baut 2-AG ab. Das ECS funktioniert nach dem Prinzip eines Regulierungssystems, ähnlich wie das endokrine System (Hormonsystem): Produktion: Wenn der Körper gestresst ist oder ein Ungleichgewicht feststellt (z. B. Schmerzen, Entzündungen), produziert er Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG. Bindung: Diese Endocannabinoide binden an die CB1- und CB2-Rezeptoren. Aktivierung: Die Aktivierung dieser Rezeptoren löst eine Reihe von biologischen Reaktionen aus, die zur Wiederherstellung des Gleichgewichts beitragen. Abbau: Nach der Wirkung werden die Endocannabinoide durch die Enzyme FAAH und MAGL abgebaut. Das ECS spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Homöostase – dem inneren Gleichgewicht des Körpers. Es reguliert unter anderem: Schmerzempfinden: Modulation der Schmerzwahrnehmung. Stimmung: Beeinflussung von Angst, Depression und Stress. Appetit und Verdauung: Regulierung von Hunger und Sättigung. Schlaf: Unterstützung eines gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus. Immunfunktion: Kontrolle von Entzündungsreaktionen. Neuroprotektion: Schutz von Nervenzellen vor Schäden. Gedächtnis und Lernen: Einfluss auf kognitive Funktionen. Warum wirkt Cannabis beim Menschen? THC: Bindet direkt an CB1- und CB2-Rezeptoren und ahmt die Wirkung von Anandamid nach, was psychoaktive Effekte auslöst. CBD: Bindet nicht direkt an die Rezeptoren, sondern moduliert deren Aktivität. Es hemmt auch das Enzym FAAH, was den Anandamid-Spiegel erhöht. Cannabinoide Von den mehr als 100 Cannabinoiden die Cannabis produziert, werden nur ein paar wenige in signifikanter Menge gebildet. Man kann sie in zehn strukturelle Kategorien einteilen; die wichtigsten sind: THC (Tetrahydrocannabinol) CBD ( Cannabidiol) CBG ( Cannabigerol) CBC (Cannabichromen) Ein fünfter Typ, CBN (Cannabinol), wird nicht von der Pflanze gebildet, sondern entsteht bei der Oxidation von THC, wenn es aufgespalten wird. Für unseren weiteren Überlegungen sind jedoch nur THC und CBD interessant. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der primäre psychoaktive Wirkstoff der Cannabispflanze. THC wirkt, indem es sich an die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 bindet. Diese Rezeptoren sind Teil des Endocannabinoid-Systems, das zahlreiche physiologische Prozesse reguliert, darunter: THC aktiviert die CB1-Rezeptoren im Gehirn und verursacht dadurch ein „High“ oder ein Gefühl der Euphorie. Dies kann die Wahrnehmung, das Gedächtnis und die Koordination beeinflussen. Durch die Bindung an CB1- und CB2-Rezeptoren kann THC Schmerzen lindern und wird daher in der medizinischen Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt. THC stimuliert den Appetit („Munchies“) durch die Aktivierung bestimmter Rezeptoren im Hypothalamus. Es wird auch verwendet, um Übelkeit und Erbrechen, insbesondere bei Krebspatienten unter Chemotherapie, zu lindern. THC hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann bei der Behandlung von Erkrankungen wie Arthritis oder Multipler Sklerose helfen. Folgende Nebenwirkungen können auftreten: Kurzzeitgedächtnisverlust Koordinationsstörungen Angst und Paranoia Erhöhter Herzschlag Mundtrockenheit CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das in der Cannabispflanze vorkommt. Im Gegensatz zu THC (Tetrahydrocannabinol) verursacht CBD kein „High“ und ist daher für seine medizinischen und therapeutischen Eigenschaften bekannt, ohne psychoaktive Effekte zu erzeugen. CBD interagiert ebenfalls mit dem Endocannabinoid-System (ECS) des Körpers. Im Gegensatz zu THC bindet sich CBD nicht direkt an diese Rezeptoren, sondern beeinflusst sie indirekt, was eine Vielzahl positiver Wirkungen hervorrufen kann: CBD kann Schmerzen reduzieren, indem es die Aktivität der CB2-Rezeptoren moduliert und die Entzündungsreaktionen hemmt. Es wirkt als starkes Antioxidans und reduziert oxidative Schäden und Entzündungen, was es für Erkrankungen wie Arthritis nützlich macht. CBD beeinflusst die Serotoninrezeptoren (5-HT1A) und kann dadurch angstlösende und stimmungsaufhellende Effekte haben. CBD kann epileptische Anfälle verringern, weshalb es als Wirkstoff in zugelassenen Medikamenten wie Epidiolex verwendet wird. Es kann Nervenzellen schützen und wird daher bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und MS untersucht. CBD kann beruhigend wirken und den Schlaf verbessern, insbesondere bei Menschen mit Schlafstörungen oder chronischen Schmerzen. CBD hat eine antipsychotische Wirkung und kann Symptome von Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen lindern. Zudem können Cannabinoide die Fähigkeit der Terpene, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, stärken, indem sie die Membrandurchlässigkeit verbessern. Terpene können wie auch die Cannabinoide mit einer Vielzahl an Rezeptoren im Gehirn und im gesamten Körper interagieren. Terpene Cannabis-Konsumenten spüren seit Langem leichte Schwankungen in der psychoaktiven Wirkung verschiedener Cannabis-Arten. Inzwischen beginnen Studien zu Terpenen und ihren Synergien mit Cannabinoiden zu erklären, wie unterschiedliche Cannabis-Sorten verschiedene Wirkungen haben können, obwohl ihre Cannabinoid-Profile nahezu identisch sind. Cannabis produziert mehr als 200 dieser Terpene. Sie sind die häufigsten pflanzlichen Chemikalien in der Natur – 30 000 wurden bislang identifiziert. Sie sind die duftenden Bestandteile aller, essentiellen Pflanzenöle und in allen Gewürzen, Früchten und Gemüsen zu finden. In den verschiedenen Cannabis-Phänotypen sind zahlreiche Terpene enthalten, jedoch kommen einige davon häufiger vor als andere. Die Terpenprofile variieren von Sorte zu Sorte, was erklärt, warum jede Cannabis-Sorte ihren eigenen charakteristischen Duft und Geschmack hat. Zu den wichtigsten in Cannabis vorkommenden Terpenen gehören Pinen, Limonen, Myrcen, Ocimen, Terpinolen, Linalool und Beta-Caryophyllen. Im Folgenden findet Ihre einen kurzen Überblick über diese Terpene: Myrcene Myrcen kommt in Mangos, Hopfen und Basilikum vor. Gemäß einer Analyse aus dem Jahr 2010, ist es eines der häufigsten Terpene in Cannabis. Es erreicht unter den Terpenen die höchste Konzentration in Cannabis und macht teilweise über 30 Prozent des ätherischen Öls aus. Es lindert Schmerzen und fördert eine tiefgreifende Entspannung. Studien zeigen zudem, dass das Myrcen in der Lage ist, die Schlafdauer zu verlängern. Myrcen wird normalerweise mit einem »Couchlock«-Effekt (einem körperlichen High-Sein, bei dem man sich nicht mehr vom Sofa wegbewegen kann) von Cannabis assoziiert. Es entspannt in Versuchen Muskeln

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