Elbherb pausiert vorübergehend. Hintergründe und wie es weitergeht:

[Mehr erfahren →]

13 statt 12 Stunden: Der Test, der nichts kostet

Zwölf Stunden Licht, zwölf Stunden Dunkelheit. Diese Regel steht in jedem Ratgeber, und kaum jemand fragt, woher sie kommt. Die Antwort ist unspektakulär: Sie ist historisch gewachsen. Mehrere Studien der letzten Jahre legen nahe, dass sie für viele Sorten nicht das Optimum ist, und der Unterschied ist zweistellig.

Was gemessen wurde

Peterswald et al. 2023 haben drei Sorten gegen neun verschiedene Beleuchtungsrhythmen gestellt. Über alle drei hinweg lag der Blütenertrag am höchsten bei den Varianten, die mit 14 Stunden Licht starteten.

Ein Jahr später haben Ahrens et al. 2024 das mit zwei THC-betonten Sorten bei 13 Stunden nachgeprüft und bis zur Reife durchgefahren. Der Ertrag lag beim 1,35- bis 1,50-fachen, also 35 bis 50 Prozent höher.

Der interessante Teil daran: Die tägliche Lichtmenge stieg von zwölf auf 13 Stunden nur um rund acht Prozent. Der Ertragssprung war also vier- bis sechsmal größer, als die reine Lichtmenge erklären würde. Es passiert hier offenbar mehr als nur „mehr Licht“.

Warum 13 und nicht 14

Weil die längere Variante einen Preis haben kann. Bei Peterswald stieg unter 14 Stunden zwar der Ertrag, aber in den beiden THC-Sorten sank gleichzeitig die THC-Konzentration. Die Trichome waren weniger dicht, die Pflanze wirkte, als hätte sie die Blütephase nicht ganz durchlaufen.

Bei 13 Stunden trat dieser Effekt in der Ahrens-Studie nicht auf. Dort waren die Konzentrationen unverändert oder sogar leicht höher, und der Gesamtertrag an Wirkstoff pro Pflanze stieg um mindestens 38 Prozent.

13 Stunden sieht damit nach dem Punkt aus, an dem du den Ertragsvorteil mitnimmst, ohne die Reife auszubremsen. 14 geht bei manchen Sorten einen Schritt zu weit.

Eine Ausnahme ist bemerkenswert: Bei einer CBD-betonten Sorte kam bei langer Beleuchtung beides zusammen, mehr Ertrag und höhere Konzentration, in Summe 50 bis 100 Prozent mehr CBD pro Pflanze.

Sorten reagieren sehr unterschiedlich

Eine breitere Untersuchung von Ahrens et al. 2023 hat zehn Sorten gegen sechs Rhythmen zwischen zwölf und 15 Stunden getestet. Das Bild ist heterogen:

  • Vier Sorten hatten ihr Optimum knapp über zwölf Stunden.
  • Vier Sorten zeigten bis 14 Stunden gar keine Verzögerung beim Blühbeginn.
  • Zwei Sorten reagierten mit Verzögerung, aber nur um ein bis zwei Tage.
  • Drei Sorten begannen sogar bei 15 Stunden zu blühen, entwickelten sich dann aber nicht weiter.

Es gibt also keinen Wert, der für alle stimmt. Was es gibt, ist ein Bereich, in dem sich Ausprobieren lohnt: zwölf bis 14 Stunden.

Der Haken beim Eigenanbau

Hier wird es für dich anders als für einen Betrieb. Ein sauberer Test bräuchte eine Vergleichsgruppe, also dieselbe Sorte unter zwei Rhythmen gleichzeitig. Mit der erlaubten Pflanzenzahl im Eigenanbau ist das kaum machbar, und zwei Zelte hat auch selten jemand.

Was bleibt, ist der Vergleich über die Zeit: derselbe Ableger, derselbe Aufbau, ein Durchgang mit zwölf, der nächste mit 13 Stunden. Das ist methodisch schwächer, weil sich zwischen zwei Durchgängen immer auch anderes ändert. Aber es ist besser als gar nichts, und es kostet dich nur eine Timer-Einstellung.

Führ dabei Notizen. Ohne Aufzeichnung ist der Vergleich nach vier Monaten wertlos.

Ein Detail, das leicht schiefgeht

Wenn du die Beleuchtungsdauer änderst, ändert sich möglicherweise auch der Reifezeitpunkt. In der Ahrens-Studie gab es Hinweise darauf, dass die 13-Stunden-Pflanzen zum Erntezeitpunkt noch nicht ganz ausgereift waren, weil sie zusammen mit der Vergleichsgruppe geerntet wurden.

Praktisch heißt das: Ernte nicht nach Kalender, sondern nach Reife. Wenn du am Rhythmus drehst, ist „Tag 60″ kein brauchbarer Anker mehr.

[!tip] Kurz gefasst
– 12:12 ist historisch gewachsen, nicht durch Daten begründet.
– Bei 13 Stunden lag der Ertrag in einer Studie 35 bis 50 Prozent höher, bei unveränderter oder leicht höherer Wirkstoffkonzentration.
– Bei 14 Stunden stieg der Ertrag ebenfalls, aber die THC-Konzentration sank in beiden geprüften THC-Sorten.
– Sorten reagieren stark unterschiedlich. Vier von zehn zeigten bis 14 Stunden gar keine Verzögerung beim Blühbeginn.
– Beim Eigenanbau ist ein sauberer Parallelversuch kaum möglich. Vergleich über zwei Durchgänge mit Notizen ist der realistische Weg.
– Nach einer Änderung nach Reife ernten, nicht nach Kalendertagen.

Dieser Beitrag ist eine sachliche Einordnung der Forschungslage zum Pflanzenanbau. Er richtet sich an Erwachsene und beachtet die geltenden Regeln zum Eigenanbau.

Nach oben scrollen